Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 steht kurz bevor, und je näher der 10. Juni rückt, desto mehr Fragen bleiben offen. Kann Lionel Messi mit seinen 39 Jahren noch einmal an seine früheren Leistungen anknüpfen und sein geliebtes Argentinien zum zweiten Titel in Folge führen, bevor er seine Karriere beendet? Wird es einem Deutschen gelingen, die 60-jährige englische Durststrecke zu beenden, wenn Thomas Tuchel die Three Lions nach zwei verlorenen Champions-League-Finals in Folge zum ersten großen Titel seit 1966 führen will?
Die Fragen bleiben vorerst unbeantwortet. Eine davon ist jedoch klar: Wer ist der Wettfavorit für das nordamerikanische Spitzenspiel? Das ist natürlich Spanien, mit den jüngsten Weltcup-Quoten Damit gelten die amtierenden Europameister mit einer Quote von 9/2 als klarer Favorit auf den Titelgewinn im MetLife Stadium am 17. Juli. Wie werden sie mit dem Druck umgehen, als Topfavorit zu gelten? Das wird die Zeit zeigen.
Doch nicht nur die Spanier von Luis de la Fuente reisen mit Leistungsdruck zur Weltmeisterschaft. Hier sind drei Spieler, die sich in einer ähnlichen Lage befinden.
Cristiano Ronaldo
Der legendäre Cristiano Ronaldo wird zum sechsten Mal – und mit 41 Jahren zum letzten Mal – die legendäre WM-Bühne betreten und damit einen Rekord aufstellen. Der portugiesische Superstar wird als einer der Größten aller Zeiten in die Geschichte eingehen, doch wenn er in einem Atemzug mit seinem langjährigen Rivalen genannt werden will, muss er sich noch einiges einfallen lassen. Lionel MessiDann muss er dafür sorgen, dass seine Nation im Juli zum ersten Mal mit der berühmten Goldtrophäe aus dem Land der Freiheit abreist.
Die Weltmeisterschaft verlief für CR7 in den vergangenen Jahren nicht gerade erfolgreich. Sein Debüt 2006 war beeindruckend: Der ehemalige Spieler von Manchester United trug maßgeblich dazu bei, dass Portugal das Halbfinale erreichte und dabei die Niederlande und England in hitzigen Partien besiegte. In den vier darauffolgenden Turnieren gelang es Ronaldo jedoch nicht, sein Team ins Halbfinale zu führen.
Zuletzt in Katar schien der Weg ins Halbfinale frei. Nur der Außenseiter Marokko stand zwischen Ronaldo und dem Einzug, doch die Atlaslöwen schafften es, die Erwartungen zu übertreffen, einen 1:0-Sieg zu erringen und als erster Afrikaner überhaupt ins Halbfinale einzuziehen. Zu allem Übel musste CR7 zusehen, wie sein Rivale Messi Argentinien zum ersten Titelgewinn seit Diego Maradona führte und damit seinen Status als größter Spieler aller Zeiten untermauerte.
Sollte der große Ronny diesen Titel erben wollen, ist die Vorgabe klar: Weltmeistertitel gewinnen. Alles andere würde ihn trotz seiner ruhmreichen Karriere für immer als Messis zweiter Platz in Erinnerung behalten lassen. Gelingt es ihm jedoch, mit 41 Jahren die Tore zu erzielen, die Portugal zum Titel führen, wird es schwerfallen, die Idee zu widerlegen, dass die beiden Ikonen Seite an Seite auf dem Mount Rushmore stehen.
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Harry Kane
Englands WM-Geschichte seit jenem glorreichen Sommer 1966 ist von Herzschmerz geprägt. Gazzas Tränen 1990. David Beckhams Rote Karte und die darauffolgende Niederlage im Elfmeterschießen 1998. Ronaldinhos Traumtor aus 40 Metern 2002. Wayne Rooneys von Ronaldo verursachte Rote Karte 2006. Frank Lampards Phantomtor 2010. Und zuletzt… Harry Kanes verschossener Elfmeter in der Schlussphase gegen Frankreich im Viertelfinale vor vier Jahren.
Die Liste ließe sich tatsächlich endlos fortsetzen. Doch die Three Lions haben in den letzten Turnieren Anzeichen eines Comebacks gezeigt. Unter Gareth Southgate erreichte England 2021 und 2024 zweimal in Folge das Finale der Europameisterschaft und 2018 das Halbfinale der Weltmeisterschaft. Kapitän und Führungsfigur Kane war an all diesen Erfolgen maßgeblich beteiligt. Nun ist es an der Zeit, dass Englands Rekordtorschütze etwas vollbringt, was keinem Engländer seit 60 Jahren gelungen ist: den Weltmeistertitel zu gewinnen.
Nach so vielen knapp verpassten Titeln in den letzten Jahren lastet nun enormer Druck auf Kane und England, endlich den Pokal zu holen, nach dem sich die Briten so sehr sehnen. Der deutsche Trainer Thomas Tuchel wurde mit dieser besonderen Aufgabe betraut. Und um Erfolg zu haben, braucht er seinen Kapitän in Topform. Mit 32 Jahren bekommt Kane vielleicht nie wieder die Chance, sein Land auf der größten Bühne des Fußballs anzuführen. Es heißt jetzt oder nie.
Christian Pulisic
Die amerikanischen Medien sprechen bereits vom Viertelfinale. Vielleicht sogar vom ersten WM-Titel für die USA? Der Rest der Welt kann es kaum fassen. Und leider lastet nun der Druck auf USMNT-Kapitän Christian Pulisic, der „LeBron James des Fußballs“ zu werden.
Pulisic weiß selbst, dass er nicht so gut ist. Er kann nicht in einem Atemzug mit Messi, Ronaldo und Kane genannt werden. Verdammt, nicht einmal mit Jack Grealish, und er wird diesen Sommer wohl nicht einmal in Englands Kader berufen. Aber das ist eben der Druck, Kapitän einer Nation mit extrem hohen Erwartungen zu sein.
Captain America befindet sich leider in einer Zwickmühle. Das Erreichen des Achtelfinals wäre ein großartiger Erfolg für die USA. Das Viertelfinale wäre ein Traum. Beides würde von den amerikanischen Sportmedien wahrscheinlich als Enttäuschung gewertet werden. Pulisic muss nun unbedingt über sich hinauswachsen und diese zweifellos talentierte Gruppe amerikanischer Fußballstars ins Halbfinale führen. Andernfalls könnte er von Leuten wie Stephen A. Smith heftig kritisiert werden. Kein Druck, Christian.


